Was Kinder stark macht

Manche Menschen überstehen eine schlimme Kindheit ohne seelische Blessuren. Forscher ergründen ihr Geheimnis.

Annas Jugend war nicht leicht. Ihre Mutter war alkoholsüchtig, ihren leiblichen Vater sah sie nach der Scheidung ihrer Eltern kaum. Der Stiefvater verspielte sein Vermö­gen, und als Anna ihm während ihrer Aus­bildung ihren angesparten Lohn schenkte, in der Hoffnung, er würde sich bessern, verließ auch er die Familie - das „sinkende Schiff", wie er zu sagen pflegte. Annas jün­gere Schwester war mittlerweile drogen­abhängig und bettelte die Familie ständig um Geld an. Doch Anna stabilisierte das Leben von Mutter und Schwester, machte die Lehre zu Ende und fand eine Stelle als kaufmännische Angestellte. Auch als sie mit Anfang 30 haarscharf einer Vergewalti­gung entging, rappelte sie sich wieder auf und weigerte sich vehement, als trauma­tisiertes Opfer zu gelten. Die Schweizeri­sche Familientherapeutin Rosenarie Welter­-Enderlin beschreibt Anna in ihrem Buch „Resilienz und Krisenkompetenz" als herz­liche Frau, mit einer Menschen zugewand­ten Art. Sie beobachtete bei ihr keine Spu­ren von Resignation oder irreparablen psy­chischen Verletzungen.  

Was zeichnet Menschen wie Anna aus? Warum gelingt es manchen, nach Krisen wieder von Neuem zu beginnen und opti­mistisch zu sein, während andere - wie Annas Schwester - straucheln? Diese Fragen stellt sich seit einigen Jahren, die "Resilienz­forschung" (von lateinisch „ resiliere", ab­prallen). Psychologen, Pädagogen, Medizi­ner und Genetiker betrachten dabei nicht die schlechten Erfahrungen, die zu einer psychischen Krise führen, sondern die Widerstandsfähigkeit des Menschen.

... was sie erstaunte war, dass ein Drittel der Kinder im späteren Leben so­wohl beruflich also auch in persönlichen Beziehungen erfolgreich war. Sie lebten obendrein als zuversichtliche und zufriedene Menschen. Emmy Werner und ihre Kollegen fanden viele Gründe für die „Unverletzbarkeit“ dieser Kinder. „Das war oft ein Lehrer, der dem Kind vermittelte: Du bist etwas wert, ich interessiere mich für dich“, erklärte Corinna Wustmann, Erzie­hungswissenschaftlerin am Züricher Marie Meierhofer Institut für das Kind. ...

 Quelle: Bild der Wissenschaft 9.2010

 Literaturhinweis: Opp/Fingerle (Hrsg.): Was Kinder stark macht. Erziehung zwischen Risiko und Resilienz, Reinhardt-Verlag: München-Basel 2008, 3. Aufl.

 

 

 

Unsere Webseite bietet registrierten Benutzern die Möglichkeit, sich anzumelden. Damit dies funktioniert, verwenden wir ein sogenanntes SITZUNGSCOOKIE. Klicken Sie auf OK, wenn sie sich auch anmelden können möchten. Andere Cookies werden NICHT verwendet.